Die Zentralkläranlage ist seit 11.12.2006 in Betrieb. Zur gleichen Zeit wurden die Kernstadt Gemünden sowie die Stadtteile Schönau, Seifriedsburg, Aschenroth und Neutzenbrunn angeschlossen.
Der Stadtteil Schaippach wurde am 29.06.2007 an die neue ZKA angeschlossen. Die Übernahme des Abwassers aus Rieneck erfolgte am 04.07.2007.
Die Stadtteile Langenprozelten und Hofstetten wurden im Februar und März 2008, die Stadtteile Wernfeld, Adelsberg, Kleinwernfeld, Massenbuch und Harrbach mit Schleusensiedlung wurden im Dezember 2010 angeschlossen.
Die Planung für den Neubau der Zentralkläranlage Gemünden basiert auf dem Belebtschlammverfahren mit vollständiger Nitrifikation, Denitrifikation, einer ausgeprägten biologischen und bedarfsgerecht unterstützenden chemischen Phosphorelimination sowie einer simultanen aeroben Schlammstabilisierung.
Alternativ zu einer konventionellen Auslegung der Belebungsbecken mit kontinuierlichem Abwasserdurchsatz (d.h. ein „Durchlaufbetrieb“ mit kontinuierlich durchflossener Belebung und Nachklärung), ist für die neue Zentralkläranlage Gemünden das kontinuierliche Aufstauverfahren, das sogenannte SBR-Verfahren („Sequencing Batch Reactor“) ausgeführt worden.
Das von der Firma LimnoTec entwickelte DIC-SBR-Verfahren ist als Synthese der intermittierenden/vorgeschalteten/alternierenden/simultanen Denitrifikationsverfahren mit weitgehender biologischer Phosphorelimination zu bewerten. Es wird eine sehr hohe Denitrifikationskapazität sowie eine weitgehende biologische Phosphorelimination erzielt. Bei dem von der Firma LimnoTec patentierten DIC-SBR-Verfahren werden in einem Pufferbehälter (Durchmesser 25 m, Höhe 5 m, Volumen 2209 m³) bedarfsgerecht 2 unterschiedliche Abwasserströme hergestellt, mit denen sich eine sehr weitgehende Nährstoffelimination bezüglich Stickstoff und Phosphor gewährleisten lässt. Dem Pufferbehälter ist ein Beschickungspumpwerk zur stoßweisen Beschickung der Reaktoren nachgeschaltet.
Die einzelnen Reinigungsschritte (Denitrifikation, biologische Phosphorelimination, Nitrifikation, Fällung und Kohlenstoffabbau) incl. der Nachklärung erfolgen in zeitlicher Abfolge hintereinander und sind jeweils in einem Reaktor zu einem Gesamtzyklus zusammengefasst. Die Dauer und Intensität der einzelnen Behandlungsschritte ist grundsätzlich frei wählbar und kann daher täglich/saisonal sich wechselnden Abwasserbedingungen und den Einleitbedingungen angepasst werden.
In der Zentralkläranlage Gemünden sind 3 Reaktoren mit einem Durchmesser von 25 m und in einer Höhe von 6 m mit einem Volumen von je 2700 m³ gebaut worden. Sie sind ausgelegt auf simultane aerobe Schlammstabilisierung und so dimensioniert, dass im Störfall auch die maximale Abwassermenge im 2-Reaktorbetrieb bearbeitet werden kann. In den Reaktoren befindet sich ein Klarwasserdekanter nach dem Prinzip der gelochten und eingetauchten Ablaufrohre. Die Reaktoren sind flächendeckend mit Membranbelüfter belegt.
Das Zeitintervall, das mit dem Abschluss des Klarwasserabzugs beginnt und mit dem Abschluss des nächsten Klarwasserabzugs endet, bezeichnet man als Zyklus. Jeder Zyklus ist in eine Folge von Prozessphasen unterteilt. Die einzelnen Behandlungsschritte sind an die sich zyklisch ein bis mehrmals intern, sowie ständig extern wiederholenden Prozessführungsschritte wie folgt gekoppelt:
- Mischung
- Belüftung
- Sedimentation
- Dekantierung/Klarwasserabzug
- Überschussschlammabzug
Der Überschussschlamm wird aus den Reaktoren abgezogen und in einem Schlammvorlagebehälter eingedickt und dann bedarfsgerecht einer maschinellen Voreindickung im Maschinengebäude zugeführt. Der eingedickte Schlamm wird dann in einem Schlammlagerbehälter zwischengespeichert. Der Schlamm wird anschließend ca. vierteljährlich mit einer mobilen Schlammpresse entwässert und entsorgt.
Das Kläranlagengelände ist mit einer Sicherheit für ein Mainhochwasser, das statistisch ca. alle 100 Jahre vorkommen kann, ausgeführt worden. Nachdem durch die Baumaßnahme Rückhaltevolumen für Mainhochwasser verloren geht, wird im Mainvorland durch Abgrabungen neuer Retentionsraum in gleicher Größe geschaffen (Retentionsraumausgleich).