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Die vielfältigen Ansprüche der Gesellschaft an den Wald erfordern einen harmonischen Dreiklang aus den Einzeltönen Ausgleichsfunktionen des Waldes als Erholungsraum, Lieferant des einzigen heimischen nachwachsenden Rohstoffes Holz und Lebensraum für zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.
Aufgabe der Städt. Forstverwaltung hierbei ist die Optimierung des Gesamtnutzens des Stadtwaldes unter Berücksichtigung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte.
Scherenbergstr. 5
Zimmer 210, 2. OG
97737 Gemünden a. Main
E-Mail: forstverwaltung@gemuenden.bayern.de
Mit annähernd 1.800 Hektar Waldfläche gehört der Stadtwald Gemünden zu den größeren Kommunalwäldern Unterfrankens. Er bietet eine große Vielfalt unterschiedlicher Waldlebensräume – insbesondere artenreiche, wärmeliebende Laubmischwälder auf einer Höhenlage zwischen 160 – 450 m Höhe.
Im Stadtwald Gemünden wachsen täglich ca. 35 Kubikmeter Holz nach. Der jährliche Holzeinschlag beläuft sich auf rund 10.000 Kubikmeter (der Fachmann sagt: „Festmeter“) Holz. Die Verkaufserlöse hieraus beziffern sich auf etwa 460.000,00 Euro pro Jahr.
In schwierigen Zeiten angespannter öffentlicher Kassen haben die Holzproduktion und die damit verbundenen Einnahmen für eine kleinere Kommune wie Gemünden eine nicht unerhebliche Bedeutung.
Durch das städt. Biomasseheizwerk werden seit 1997 jährlich ca. 1.900 Kubikmeter minderwertigen Industrieholzes aus dem Stadtwald kontinuierlich thermisch verwertet. Durch den Betrieb dieses Biomasseheizwerkes ergänzen sich auf lokaler Ebene ökonomische und ökologische Ziele sowohl des Kommunalunternehmens als Betreiber, als auch des städtischen Forstbetriebes in geradezu idealer Weise.
Die zielführende Pflege und Entwicklung des Stadtwaldes unter Berücksichtigung der Sozialvorsorge und Biotoppflege können unter den gegebenen Rahmenbedingungen langfristig nur auf Basis eines soliden wirtschaftlichen Fundaments finanziert werden.
Die in mannigfaltiger Hinsicht vorbildliche naturnahe Bewirtschaftung des Stadtwaldes zeigt, dass ökologische und ökonomische Ziele miteinander vereinbar sind.
Der städt. Forstbetrieb nimmt jedoch neben der Holzproduktion auch wichtige ökologische und sozial vorsorgende Funktionen wahr. Der Wald ist ein wichtiger stadtnaher Erholungsraum. Er stellt den weitaus größten Teil des Stadtgebietes und ist ein bestimmender Faktor für das Gesicht und die touristische Attraktivität Gemündens.
Der Wald ist Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen, er erzeugt einen ökologischen Ausgleich, konserviert unser lebensnotwendiges Wasser und ist ein wichtiger Faktor für den Klimaschutz.
Dieser kleine Ausschnitt aus dem Aufgabenspektrum des Waldes umreißt die vielfältigen Einflüsse forstwirtschaftlichen Handelns auf unseren unmittelbaren heimatlichen Lebensbereich.
Die Forstwirtschaft denkt und plant in Generationen. Der heute so häufig zitierte politische Grundsatz der „Nachhaltigkeit“ stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Ein behutsamer und vorausschauender Umgang mit dem kostbaren Ökosystem „Wald“ sichert heute seinen Erhalt für die nachfolgenden Generationen. Ebenso wie Generationen von Forstleuten, Waldarbeitern und Waldbauern die Grundlagen für unseren heutigen Waldbestand gelegt und über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg entwickelt haben.
Nachhaltige Forstwirtschaft muss umweltgerecht, wirtschaftlich tragfähig und sozial verantwortungsvoll sein.
Um diesen drei Säulen der Nachhaltigkeit gerecht zu werden, ist der Stadtwald Gemünden seit dem Jahr 2000 unter der Registriernummer 0421031/022260300000 nach PEFC (Programm for the Endorsement of Forest Certification schemes) international zertifiziert.
Nach diesen Prinzipien ausgerichtetes Handeln soll den Lebensraum für Pflanzen und Tiere sichern, die Schutz- und Erholungsfunktionen optimieren, den umweltfreundlichen und nachwachsenden Rohstoff Holz erzeugen, der weitestgehend regional und lokal vermarktet wird. So werden Arbeitsplätze in der Heimat gesichert und umweltbelastende Transporte reduziert.
Die forstliche Inventur (Forsteinrichtung) des Jahres 2006 hat im Stadtwald Gemünden ergeben, dass der Laubholzanteil 63% und der Nadelholzanteil 37% beträgt. Aus ökologischer Sicht ein optimales Verhältnis, weil der pflanzliche und tierische Artenreichtum im Laubwald deutlich höher liegt als z. B. in reinen Nadelwäldern.
Nach Ansicht von Fachleuten sind aber auch Laub- und Mischwälder eher als Nadelwälder in der Lage, unter unseren standörtlichen Bedingungen und in Zeiten des Klimawandels die kommenden klimatischen Herausforderungen zu bestehen.
Ein hoher Anteil des Stadtwaldes besteht aus sogenannten ehemaligen Mittelwäldern, die in der Vergangenheit vorrangig der Bau- und Brennholzproduktion sowie auch der Weidewirtschaft dienten. Dadurch bedingt sich aus „heutiger Verwendungssicht“ leider eine zum Teil qualitativ ungünstige Sorten- und Güteklassenverteilung bei der Holzverwertung.
Darüber hinaus wurden in der Vergangenheit zahlreiche Eichenbestände zur sogenannten Lohrindengewinnung herangezogen. Die in der Eichenrinde vorhandene Gerbsäure (Lohe) wurde zur Ledergerbung benötigt. Da hierzu wegen der sehr anstrengenden Entrindungsarbeit die jüngeren, gut veranlagten, schlanken und astarmen Eichen herangezogen wurden, ist die Konsequenz dieser historischen Bewirtschaftungsform ebenfalls ein „aus heutiger Sicht“ unbefriedigendes ökonomisches Ergebnis der verbliebenen verwendungstechnisch minderwertigeren Eichen.
In zahlreichen Altbeständen des Stadtwaldes ist erfreulicher Weise eine aufkommende Buchennaturverjüngung zu beobachten, wobei aus ökonomischen und ökologischen Gründen eine Erhöhung des Mischbaumartenanteiles angestrebt wird. Der Stadtwald Gemünden liegt in einer mäßig feuchten und milden bis mäßig warmen Klimaregion, die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt im langfristigen Mittel bei 8,6° C, die durchschnittlichen Jahresniederschläge bei 770 mm/Jahr (Wetterstation Rieneck).
Geologisch erstreckt sich der Stadtwald im Wesentlichen auf Gebiete des Mittleren und Oberen Buntsandsteines sowie während der Eiszeit entstandener Lössstandorte.
Die sich aus der Geologie entwickelten Böden setzen sich überwiegend aus sandigen, schluff- und feinlehmhaltigen und zweischichtigen Böden mit Ton im Unterboden zusammen. Die Leistungsfähigkeit dieser Böden bewegt sich vorrangig im mittleren bis mittelguten Bereich.
Hinsichtlich der Gefährdungen des Stadtwaldes ist vorrangig die Windwurfgefährdung, insbesondere der Fichte als Baumart mit geringer Wurzelenergie auf ihr nicht zusagenden Standorten zu nennen.
Häufige Windwurfereignisse, gepaart mit ständig auftretendem Borkenkäferfraß, haben den Fichtenanteil mittlerweile auf nur noch 7% gedrückt. Es ist leider wohl absehbar, dass bis auf einige Restbestände die Baumart Fichte als wichtige „Brotbaumart“ wegen der sich ständig wiederholenden Kalamitäten in nicht allzu ferner Zeit mehr oder weniger verschwinden wird.
Der Gemündener Wald präsentierte sich nicht immer so, wie wir ihn heute kennen.
Naturwald
Der ursprüngliche Wald war das Ergebnis einer nicht vom Menschen beeinflussten Vegetationsentwicklung, wie sie sich seit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren abgespielt hat.
Infolge einer Verbesserung der Temperaturverhältnisse zunächst für Birken- und Kiefern- und später für Eichen- und Buchenmischwälder. Dieser Prozess hat etwa 4.000 Jahre in Anspruch genommen und war in etwa um das Jahr 1.000 n. Chr. abgeschlossen, als der Mensch die Abläufe im Wald endgültig zu bestimmen begann.
Historische Waldbewirtschaftung
Mit Beginn des frühen Mittelalters wurde Holz zum zentralen Rohstoff für alle Lebensbereiche des Menschen. Hierdurch wurde die Waldentwicklung zusehends geprägt. Durch den Betrieb von Bergwerken, Köhlereien, Schmelzöfen, Glashütten, Waldweide sowie den Brennholzbedarf der Menschen wurden riesige Mengen von Holz und Waldfrüchten benötigt.
Diese massiven Waldnutzungen haben zu regelrechten Waldverwüstungen geführt, die den Charakter dieser Wälder richtigerweise eher als Park beschreiben würden, nicht als Wälder heutiger Vorstellung.
Diese damaligen Waldverwüstungen und die damit verbundene Holznot mündeten Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die ersten Waldgesetze, um diesen für die Bevölkerung nicht mehr tragbaren Zustand zu beenden.
Dieser Zeitraum war die Geburtsstunde einer geregelten Forstwirtschaft nach den Prinzipien des Nachhaltigkeitsgebotes.
Einführung der Nachhaltigkeit
Das Prinzip der Nachhaltigkeit hatte unter den damaligen Voraussetzungen das Ziel nach einem dauerhaften, stetigen und höchstmöglichen Holzertrag zu streben. Dieses vorrangig ökonomische Prinzip der Nachhaltigkeit wird heute ergänzt durch die ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Dies umfasst als Zielformulierung im Wesentlichen den Erhalt der Natur und Umwelt sowie aller Sozialfunktionen des Waldes.
„Unser Stadtwald“ reinigt die Luft.
Eine Starkbuche erzeugt jährlich mehr als 4 t des lebensnotwendigen Sauerstoffes und verarbeitet mehr als 6 t Kohlendioxyd. Der Wald filtert Staub und Gift aus der Luft. Als natürlicher Temperaturpuffer mildert er Frost und Hitze, bringt Feuchtigkeit, angenehme Kühle und saubere Luft. Damit ist er die „grüne Lunge“ unserer Stadt.
„Unser Stadtwald“ schützt den Boden.
Das weitverzweigte Wurzelsystem der Waldbäume verhindert bei starken Niederschlägen die Erosion fruchtbaren Bodens. Waldböden sind die artenreichsten Lebensräume die wir kennen.
„Unser Stadtwald“ dient als wirksamer Wasserspeicher
Ein durchschnittlicher Baum saugt mit seinen Wurzeln jährlich ca. 20.000 Liter Wasser durch den Boden. Als Teil des Wasserkreislaufes ist er gleichzeitig Wasserfilter, Hochwasserregulierer und Verhinderer von Erosionen in einem.
„Der Stadtwald“ ist das „grüne Kapital“ unserer Stadt und Bürger, weil er uns stetig Holz liefert.
10.000 Festmeter (=Kubikmeter) werden jährlich im Stadtwald Gemünden geerntet. Diese Holzmenge entspricht aber nur in etwa 75% der im gleichen Zeitraum nachwachsenden Holzmasse.
„Unser Stadtwald“ ist ständiger Arbeits- und Ausbildungsplatz für 8 Mitarbeiter/innen. Darüber hinaus kommen Mitarbeiter von Forstunternehmen, die im Bedarfsfall eingesetzt werden sowie Mitarbeiter in Sägewerken, Holzindustrie und Handwerksbetrieben die „unser Holz“ weiterverarbeiten.
Ökologie
Naturgemäße Waldwirtschaft heißt:
– „Der Natur „Abschauen“ wie es geht“ –
Der Stadtwald Gemünden wird nach den Regeln der Naturgemäßen Waldwirtschaft geführt.
Dazu zählt im Einzelnen:
Die Vorteile dieser Bewirtschaftungsform liegen auf der Hand:
Der Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie ist sinnvoll und möglich.
Spannungsfeld zwischen Wald und Wild
Dem gesetzlichen Vorrang des Waldes vor dem Wild muss durch an den Lebensraum angepasste Wildbestände in ausreichender Weise Rechnung getragen werden.
Für den Erfolg einer artenreichen und standortgerechten Waldverjüngung und damit der neuen Waldgeneration, ist die Lösung dieser Frage von zentraler Bedeutung.
Seit der Ausrottung von Wolf und Luchs als die natürlichen Feinde des Rot- und Rehwildes, sowie weiterer Einflüsse menschlichen Handelns auf deren Lebensbereich, hat sich vor allem das Rehwild stark vermehrt.
Das Rehwild als sogenannter Futterselektierer verbeißt insbesondere nährstoffreiche Knospen und Triebe genau jener Bäumchen, die zum Aufbau von Mischwäldern am dringendsten benötigt werden.
Nur eine an den Bedürfnissen des Wildes und des Lebensraumes orientierte Bejagung ermöglicht es, die Wilddichte von Rot- und Rehwild an die natürliche Leistungskapazität des Ökosystems Wald anzupassen.
Anhand des sogenannten Traktverfahrens wird seit dem Jahr 2008 durch eine jährliche revierweise Verbissinventur mittels Stichprobenverfahren die örtliche Verbissbelastung der Naturverjüngung durch einen unabhängigen Sachverständigen erhoben. Diese Erhebung liefert einen wertvollen Beitrag über den Zustand der Waldverjüngung und daraus folgernd bei der Aufstellung der entsprechenden Abschusspläne für Rot- und Rehwild.
Jagdliche Situation
Die Forstinventur des Jahres 2006 führt hierzu aus:
Schälschäden:
„In den Schälschädendistrikten des Stadtwaldes, verursacht durch das Abnagen der Rinde von Bäumen durch das Rotwild, treten örtlich starke alte Schälschäden auf. Auch sind hier immer wieder neue Schälschäden festzustellen. Wenngleich diese – für das Einzeljahr und die Gesamtfläche betrachtet – meist nicht von beängstigendem Ausmaß sind, so sind sie aufgrund folgender Sachverhalte doch sehr bedenklich:
· Sie treten örtlich konzentriert in jungen Altern auf und verursachen dort beachtliche Bestandesschäden.
· Ihre Akkumulation über die Jahre hinweg führt bei der späteren Holzernte zu beträchtlichen finanziellen Einbußen.“
Verbissschäden:
„In Buchennaturverjüngungen sind die schädlichen Auswirkungen des Wildverbisses auf Grund der hohen Pflanzenzahlen im Allgemeinen weniger spürbar.
Waldbaulich am schädlichsten ist der Verbiss der Mischbaumarten. Bei den gegebenen Wildbeständen sind die umfangreichen Mischungsanreicherungen nur durch kostenintensive Schutzmaßnahmen (Zaunbau, bzw. Einzelschutz) zu realisieren.“
Hier ist es die Aufgabe des Forstbetriebes, die Sensibilität der örtlichen Jägerschaft für eine ökologische und ökonomische Problemlösung zu wecken. Nur im Zusammenwirken der Jägerschaft und Förster als Partner, ist eine Lösung der zuvor beschriebenen Problematik möglich.
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